Die neue Buchrezension vom 20. April auf Owwer-Ramschd.de

Für alle Lese-Fans und Bücherwürmer bietet Owwer-Ramschd.de einen nützlichen Service. Wir haben den bekannten Literatur-Rezensenten Winfried Stanzick aus Ober-Ramstadt für eine Buchrezension gewonnen. Etwa einmal wöchentlich veröffentlichen wir eine Buchkritik des sympathischen Theologen und Familienvaters. Im neuesten Beitrag geht es um das Buch Black Box Dschihad: Daniel und Sa'ed auf ihrem Weg ins Paradies von Martin Schäuble. Lesen Sie die interessante Folge unserer Serie.

Alle Beiträge finden Sie im Kapitel Buchrezensionen.

Blick durchs Schlüsselloch: unstandesgemäße Liebe

Lesung im Scheunensaal. Barbara Hauck las aus ihrem Buch „Ludwigs Lust“

Eigener Bericht

Ganz anders als beim Traumliebespaar dieses Jahres – Kate Middleton und Prinz William – ging es früher bei unstandesgenäßen Liebschaften im Hause Hessen-Darmstadt zu. Amouröse Beziehungen wurden dort sehr diskret gepflegt. Sie kamen, wenn überhaupt, eher unfreiwillig ans Tageslicht und führten selten zum Happy End.

Einen Schlüsselloch-Einblick durch die Darmstädter Palais-Türen bot jetzt am Donnerstag (10.3.2011) im voll besetzten Scheunensaal der Hammermühle die Autorin Barbara Hauck. Sie trug in einer Lesung aus ihrem Buch „Ludwigs Lust“ vor. Otto Weber vom Verein für Heimatgeschichte führte in das Thema ein.


(Von links:) Heidi Schollenberger (Leiterin der Stadtbücherei), Otto Weber (Leiter des Museums) und Autorin Barbara Hauck.

Wie kommt man zum Thema "Unstandesgemäße Liebschaften"?
Herbert Gepperth begrüßte die Zuhörer/innen

Die Lesung war eine Gemeinschaftsveranstaltung zwischen der Stadtbücherei Ober-Ramstadt und Bücher-Blitz. Zu Beginn des Abends begrüßte Herbert Gepperth vom Bücher-Blitz die Zuhörer/innen und stellte die Vortragenden des Abends vor.

Autorin Barbara Hauck absolvierte ursprünglich eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte. Später studierte sie Politik, Geschichte und Geografie für das Lehramt an Gymnasien. In den folgenden Jahren absolvierte sie eine Ausbildung als Redakteurin und ist heute auch als Stadtführerin in Darmstadt tätig sowie als Dozentin für Deutsch an einem Berufsbildungsinstitut. Otto Weber, so Gepperth, ist seit 40 Jahren Leiter des Ober-Ramstädter Museums.

Wie kommt man zu so einem Thema – unstandesgemäße Liebschaften – wie kommt man dazu, jahrelang in Archiven nach Liebesgeschichten im 19. Jahrhundert zu graben, fragte Gepperth und kündigte interessante Antworten an.



Herbert Gepperth (links) hieß das Publikum willkommen.

Die  Einführung hielt Otto Weber

Nach der Begrüßung durch Herbert Gepperth sprach Otto Weber. Auch ihn beschäftige schon seit Jahren das Thema von Barbara Hauck Er war einigermaßen überrascht, erzählte er, dass die Autorin keine Schwierigkeiten gehabt habe, mit dem Archiv in Darmstadt zu arbeiten. Als er, Weber, vor Jahren mit der Zusammenarbeit anfangen wollte, wurde dort das Thema „Liebschaften“ im Hause Hessen-Darmstadt noch unter den Teppich gekehrt.

Damals lebte Margaret Prinzessin von Hessen und bei Rhein noch. Man kam praktisch an keine Unterlagen heran, so Weber. Auch hätte er seine Arbeiten nur veröffentlichen können, wenn er sie vor Drucklegung dem Hause Hessen zur Durchsicht gegeben hätte, da das Thema „delikat“ sei, wie man ihm mitteilte.

In seiner Einführung hatte Otto Weber dennoch lebhafte Geschichten mitgebracht aus der Zeit des 18. Jahrhunderts (Barbara Hauck las später aus ihrem Buch über Geschichten aus dem 19. Jahrhundert). Weber breitete die zahlreichen und oft komischen außerehelichen Liebesaktivitäten Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt (geb. 15.12.1719 in Darmstadt, gest. 6.4.1790 in Pirmasens) aus sowie Geschichten aus dessen Umfeld.

Einer seiner Soldaten z. B. war böse, weil ihm die Heirat mit einer Frau untersagt wurde, die als Dirne galt. Mit diesem Thema lag der Soldat Ludwig IX dermaßen in den Ohren, bis der irgendwann mal sagte: Dann heiraten Sie diese Catrine doch. Darauf der Soldat: Danke, Durchlaucht. Sie ist eine Dirne. Nehmen Sie se!

Im 18. Jahrhundert ist es recht munter zugegangen, so Otto Weber. Wenn man an alle Akten herankommen würde, würde man einiges finden,  das in der damaligen Zeit für Stimmung gesorgt hat und heute noch erfreut.

Barbara Hauck gab einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Buches

In ihrem Buch geht es um das 19. Jahrhundert. Die Griesheimer Autorin Barbara Hauck wünschte den Zuhörern viel Vergnügen mit Ludwigs Lust. Sie begann ihre Lesung mit einem Zitat Goethes: „Sonne kann nicht ohne Schein, Mensch nicht ohne Liebe sein.“ Und wenn die Liebe zwei Personen verbindet, die wegen des Standesunterschiedes und aus Gründen der Staatsräson nicht füreinander bestimmt sind, dann gibt es jede Menge Schwierigkeiten.

Eben solchen Schwierigkeiten ist sie in den letzten Jahren auf der Spur gewesen, als sie den Liebesabenteuern der hessischen Großherzöge und ihrer Verwandten nachgegangen ist. Dazu hat sie im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt und im Großherzoglich Hessischen Familienarchiv alte Aufzeichnungen, Briefe, Tagebücher und Gerichtsakten durchgearbeitet.

Die erste Hürde war die oft unlesbare Schrift, so Hauck. Mit der Zeit kam dann aber die Übung – und manchmal ein netter Archivnachbar, der knifflige Stellen entzifferte. Etliches war zudem in lateinischer Schrift auf Französisch oder Englisch geschrieben. Im Laufe der Zeit ergab sich aus den vielen Einzelinformationen ein Bild der damaligen Verhältnisse und der Menschen, so Hauck. Dabei weiß sie darauf hin, dass sie ihre Arbeit mit 366 Fußnoten belegt habe. Sie sei also nicht dem Guttenberg-Syndrom verfallen. Woraufhin das Publikum herzlich lachte.

Aus zwei Geschichten aus „Ludwigs Lust“ vorgelesen

Aus ihrer Forschungsarbeit in den Archiven sind fünf Geschichten entstanden über Liebe und Leid. Aus zwei Geschichten las Barbara Hauck am Donnerstag Auszüge vor, fesselnd und das Publikum mitnehmend. Eine davon war – ohne Happy End: „Wie Ludwig der IV. zum Kurzzeitgatten wurde“.

Von Großherzog Ludwig IV. (1837 – 1892) nahm man an, dass er nach dem Tod seiner Ehefrau Alice nie wieder heiraten würde. Dennoch verliebte er sich in die schöne Madame de Kolemine (1852 – 1941), die er erstmals im Darmstädter Hoftheater traf. Die schöne Adlige aus polnischem Geschlecht und Gattin eines russischen Legationssekretärs war eine Dame mit Vergangenheit. Dennoch heiratete Ludwig die Geliebte nach allerhand Verwicklungen später heimlich bei Nacht (vormittags hatte Ludwig die Hochzeit seiner Tochter gefeiert) im Neuen Palais in Darmstadt.

Auf Drängen der Verwandtschaft – dazu zählte auch die Ex-Schwiegermuter Königin Viktoria von England – musste sich Ludwig dann nahezu umgehend wieder scheiden lassen. Die schöne Kolemine hatte bereits zahlreiche Männer ins Himmelbett gezogen und genoss nicht den besten Ruf. Er stattet Kolemine aber mit einer guten Pension aus, so dass es ihr bis ans Lebensende richtig gut gegangen sein dürfte, so Barbara Hauck.

Was ist das Anliegen der Autorin?
Historischen Personen Leben einhauchen – Forum sein für nicht standsgemäße Geliebte

Es geht in dem Buch „Ludwigs Lust“ um Spannendes aus der Stadtgeschichte Darmstadts. Barbara Hauck möchte einigen ausgewählten historischen Personen wieder Leben einhauchen, diese durch ihre eigenen Worte sprechen lassen und den wahren Menschen mit seinen Eigenarten, Stärken und Schwächen neu entdecken.

Doch das Buch soll auch ein Forum sein für die nicht standesgemäßen Geliebten, von deren Existenz kaum jemand etwas weiß. Und so ist das Buch auch ein schönes Lesebuch für Menschen, die es der Liebesgeschichten wegen lesen.

Das konzentriert zuhörende Publikum spendete großen Beifall.

 
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